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Beschäftigungsspuren der Flüchtlings- und Erwerbsmigration am deutschen Arbeitsmarkt: Der Beitrag verschiedener Herkunftsländer zur Fachkräftesicherung in Deutschland

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  • Koppel, Oliver

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Ausländische Arbeitskräfte und Zuwanderer haben in den zurückliegenden drei Jahren einen großen Beitrag zur Fachkräftesicherung in Deutschland geleistet, ohne den das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nicht in Ansätzen zu realisieren gewesen wäre. Als Musterland für Zuwanderung im Bereich der Industrieberufe erweist sich Indien. Nicht nur sind die nach Deutschland zugewanderten Inder überdurchschnittlich häufig in einem Industrieberuf tätig, auch übt von letzteren etwa jeder zweite eine Expertentätigkeit aus. Hinter Frankreich stellt Indien inzwischen die zweitmeisten Ingenieure und Informatiker ausländischer Nationalität und dürfte sich noch im laufenden Jahr zum bedeutendsten Herkunftsland entwickeln. Neben der positiven Arbeitsmarktbilanz von Zuwanderung insgesamt zeigt sich jedoch auch, dass Migration aus den typischen Flüchtlingsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak und Syrien) im Vergleich zu anderen Herkunftsländern bisher nur in geringem Ausmaß auch in Beschäftigung mündet. Selbst in den Engpassberufen des Verarbeitenden Gewerbes (z.B. Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektroindustrie) fällt dieser Effekt aktuell qualitativ und quantitativ sehr gering aus. Darüber hinaus finden sich unter den wenigen Industriebeschäftigten aus den Flüchtlingsländern schwerpunktmäßig Helfertätigkeiten, jedoch nur selten hochqualifizierte Tätigkeiten. Ein Grund hierfür liegt in der wenig industrieaffinen Wirtschaftsstruktur ihrer Herkunftsländer, in deren Folge auch die entsprechenden Zuwanderer nur selten über industrienah verwertbare Qualifikationen oder zumindest Vorerfahrungen verfügen. Etwas anders stellt sich die Situation in den personenbezogenen Gesundheitsberufen dar. So ist die Beschäftigung von Syrern zuletzt sehr stark gestiegen - mit dem Ergebnis, dass inzwischen jeder 20. angestellte ausländische Arzt hierzulande aus Syrien stammt. Während Deutschland in den Gesundheitsberufen insbesondere von Zuwanderung aus Osteuropa profitiert, sind Personen aus den übrigen drei Flüchtlingsländern kaum dort beschäftigt. Zusammenfassend gilt es, realistische Erwartungen an den Beitrag der aktuellen Flüchtlingszuwanderung in puncto Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung zu formulieren. In den Industrieberufen ist ein solcher bislang weitgehend ausgeblieben und wird auch künftig ohne einen hohen Qualifizierungsaufwand nicht realisierbar sein. Auf Basis der bisherigen Erfahrungen dürfte das entsprechende Potenzial in den Gesundheitsberufen deutlich höher ausfallen. Unter dem Strich sollte die aktuelle Flüchtlingsmigration in erster Linie als humanitäre Aufgabe verstanden werden, aus der sich auch die gesellschaftliche Aufgabe ableitet, substanzielle Mittel in die (Nach-)Qualifizierung und die Grundbildung der Betroffenen zu investieren. Gleichwohl wird die aktuelle Flüchtlingsmigration eine arbeitsmarkt- und qualifikationsorientierte Zuwanderung, die in der jüngeren Vergangenheit überaus erfolgreich zur Fachkräftesicherung beigetragen hat, auch künftig nicht ersetzen können.

Suggested Citation

  • Koppel, Oliver, 2016. "Beschäftigungsspuren der Flüchtlings- und Erwerbsmigration am deutschen Arbeitsmarkt: Der Beitrag verschiedener Herkunftsländer zur Fachkräftesicherung in Deutschland," IW-Reports 5/2016, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute.
  • Handle: RePEc:zbw:iwkrep:52016
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    References listed on IDEAS

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    2. repec:wbk:wbpubs:23969 is not listed on IDEAS
    3. Geis, Wido & Nintcheu, Jeannette Michaelle, 2016. "Gesteuerte Zuwanderung in der Flüchtlingskrise: Warum Deutschland trotz des starken Zuzugs Fachkräfte aus Drittstaaten gewinnen sollte," IW policy papers 5/2016, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute.
    4. Klein, Helmut E. & Schöpper-Grabe, Sigrid, 2012. "Was ist Grundbildung? Bildungstheoretische und empirische Begründung von Mindestanforderungen an die Ausbildungsreife," IW-Analysen, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute, volume 76, number 76.
    5. Demary, Vera & Koppel, Oliver, 2013. "Der Arbeitsmarkt für Humanmediziner und Ärzte in Deutschland: Zuwanderung verhindert Engpässe," IW-Trends – Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute, vol. 40(3), pages 47-62.
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    1. Hinte Holger & Rinne Ulf & Zimmermann Klaus F., 2016. "Punkte machen?!: Warum Deutschland ein aktives Auswahlsystem für ausländische Fachkräfte braucht und wie ein solches System aussehen kann," Perspektiven der Wirtschaftspolitik, De Gruyter, vol. 17(1), pages 68-87, April.
    2. Amelie F. Constant & Klaus F. Zimmermann, 2017. "Towards a New European Refugee Policy that Works," ifo DICE Report, ifo Institute - Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich, vol. 14(4), pages 03-08, 02.
    3. Amelie F. Constant & Klaus F. Zimmermann, 2017. "Towards a New European Refugee Policy that Works," ifo DICE Report, ifo Institute - Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich, vol. 14(04), pages 03-08, February.
    4. repec:ces:ifodic:v:14:y:2017:i:4:p:19271450 is not listed on IDEAS
    5. Hans-Werner Sinn & Marcel Fratzscher & Simon Junker & Clemens Fuest & Jochen Andritzky & Christoph Schmidt & Bernd Raffelhüschen & Stefan Moog & Ulrich van Suntum & Daniel Schultewolter & Dominik Grol, 2016. "Kosten und Chancen der Migration," ifo Schnelldienst, ifo Institute - Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich, vol. 69(04), pages 03-49, February.

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    JEL classification:

    • F22 - International Economics - - International Factor Movements and International Business - - - International Migration
    • J15 - Labor and Demographic Economics - - Demographic Economics - - - Economics of Minorities, Races, Indigenous Peoples, and Immigrants; Non-labor Discrimination
    • J24 - Labor and Demographic Economics - - Demand and Supply of Labor - - - Human Capital; Skills; Occupational Choice; Labor Productivity

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