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Ölpreissenkung - ein trojanisches Pferd?

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  • Neu, Axel D.
  • Walter, Norbert

Abstract

Der jüngste Ölpreisrückgang wurde durch die Verhaltensänderung von Saudi-Arabien ausgelöst: Der Produzent mit den größten Ölreserven war nicht mehr bereit, durch eigene Produktionszurückhaltung den Kartellpreis zu sichern. Die Verhaltenskorrektur könnte taktische oder strategische Absichten signalisieren. Sie könnte den Versuch darstellen, über einen temporären Preiseinbruch andere Ölanbieter - auch außerhalb der OPEC - zu einer Produktionseinschränkung zu veranlassen. Sie könnte aber auch strategisch angelegt sein, indem über dauerhaft niedrigere Ölpreise die Energienachfrage angeregt und Alternativanbieter zurückgeschreckt werden. Die zweite Hypothese dürfte der Interessen läge und den politischen Möglichkeiten Saudi-Arabiens stärker entsprechen. Eine so nachhaltige Veränderung eines wichtigen relativen Preises hat vielfache ökonomische Konsequenzen. Nach einer kurzzeitigen Orientierungsphase dürfte die Konjunktur der Ölverbrauchenden Länder für ein bis zwei Jahre nennenswert angeregt und der Verbraucherpreisanstieg markant reduziert werden. Die Beschäftigungsentwicklung dürfte kaum stärker tangiert werden, da die Verbesserung der Terms of Trade der Ölverbraucherländer aller Voraussicht nach zu einer Verstärkung des Reallohnanstiegs führt. Im Zuge der beiden öÖpreiserhöhungen 1973 und 1979/80 hat die Energieproduktivität in den westlichen Industrieländern deutlich zugenommen. Diese Produktivitätssteigerungen wurden vorrangig durch energiesparende Investitionen sowie Änderungen im Produktsortiment erzielt; sie sind somit auf Dauer angelegt. Auf mittlere Sicht ist nach der kräftigen Ölpreissenkung indes mit einem Abflachen des Produktivitätsanstiegs beim Energieeinsatz zu rechnen. Dies zusammen mit dem günstigeren Konjunkturverlauf in den westlichen Industrieländern wird die Rohölnachfrage beleben. Der Ölverbrauch der Industrieländer wird jedoch auch nach dem Ölpreissturz allenfalls schwach expandieren. Ein energiepolitischer Handlungsbedarf infolge des jüngsten Ölpreissturzes besteht nicht. Die Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland sollte insbesondere wegen der Unsicherheit über die künftige Preisentwicklung und der offenkundigen Effizienzverluste durch Interventionen bei ihrer grundsätzlich marktwirtschaftlichen Orientierung bleiben. Der Schutz des heimischen Steinkohlenbergbaus ist ohnedies schön weitgehend automatisch gesichert (Kokskohlenbeihilfe und „Kohlepfennig"). Sofern die Marktteilnehmer und die Energiepolitik der wahrscheinlichen Umkehr der Preistendenzen auf dem Energiemarkt zu Beginn der neunziger Jahre früh genug Rechnung tragen, besteht die Hoffnung, daß diese nicht erneut in eine sprunghafte Teuerungswelle einmündet. Auch für die Geld- und Finanzpolitik besteht kein Korrekturbedarf; sie sollten ihren potentialorientierten Kurs beibehalten. Die niedrigeren Preissteigerungsraten lassen bei unveränderter Geldmengenexpansion mehr Spielraum für eine mögliche Verstärkung des realen Wachstums. Die als sachgerecht erkannte Verminderung der Staatsquote sollte nicht unterbrochen werden.

Suggested Citation

  • Neu, Axel D. & Walter, Norbert, 1986. "Ölpreissenkung - ein trojanisches Pferd?," Kiel Discussion Papers 121, Kiel Institute for the World Economy (IfW).
  • Handle: RePEc:zbw:ifwkdp:121
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    1. Robert S. Pindyck, 1979. "The Structure of World Energy Demand," MIT Press Books, The MIT Press, edition 1, volume 1, number 0262661772, March.
    2. Fels, Gerhard & Neu, Axel D., 1980. "Reform der Kohlepolitik als Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung," Kiel Discussion Papers 72, Kiel Institute for the World Economy (IfW).
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    Cited by:

    1. Schmidt, Klaus-Dieter & Gundlach, Erich & Klodt, Henning, 1986. "Im Strukturwandel vorangekommen?," Kiel Discussion Papers 122, Kiel Institute for the World Economy (IfW).

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