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300.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen: Eine Betrachtung der Entwicklung von Bestand und Bedarf an Betreuungsplätzen

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  • Geis-Thöne, Wido

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Hatte die Zahl der unter Dreijährigen in institutioneller Betreuung im Jahr 2023 mit 857.000 ihren Höchststand erreicht, ist sie bis zum Jahr 2025 wieder um 56.000 oder 6,5 Prozent auf nur noch 801.000 gesunken. Niedriger lag sie letztmals im Jahr 2018. Ursächlich hierfür sind vorwiegend die stark gesunkenen Kinderzahlen. Lebten Ende des Jahres 2022 noch 2,28 Millionen unter Dreijährige in Deutschland, waren es Ende des Jahres 2024 nur noch 2,12 Millionen. Gleichzeitig ist im letzten Jahr allerdings auch die Betreuungsquote leicht von 38,2 Prozent auf 37,8 Prozent gesunken (jeweils bezogen auf Kinderzahlen nach Korrektur der Bevölkerungsbestände mit dem Zensus 2022), was bisher nur einmal - im Umfeld der Corona-Pandemie im Jahr 2021 - der Fall war. Legt man die Angaben von Eltern zu den Betreuungswünschen für ihre unter Dreijährigen aus dem Vorjahr zugrunde, hätte im Jahr 2025 an sich ein Bedarf an 1,10 Millionen Betreuungsplätzen bestanden, womit sich rechnerisch eine Lücke von 300.000 Plätzen ergibt. Allerdings ist die Lage regional sehr unterschiedlich. Im Osten ist die Zahl der unter Dreijährigen zwischen dem 31. Dezember 2018 und dem 31. Dezember 2023 um 19,6 Prozent zurückgegangen und damit regelrecht eingebrochen. Damit einhergehend ist auch der rechnerische Bedarf an Betreuungsplätzen zwischen den Jahren 2019 und 2025 von 261.000 auf nur noch 213.000 gesunken. Diese negative Entwicklung dürfte sich noch weiter fortsetzen, da sich im Osten bei den Geburten bislang noch keine Trendumkehr abzeichnet. Auch ist die Betreuungsinfrastruktur mit einer Betreuungsquote von 54,9 Prozent im Jahr 2025 bereits sehr gut ausgebaut. So dürfte ein Rückbau nahezu unumgänglich sein. Allerdings betrifft dies nur die Einrichtungen und nicht das freiwerdende Personal, das eingesetzt werden sollte, um die Relationen zwischen den Betreuungskräften und Kindern zu verbessern und so die Qualität der Angebote zu stärken. In Westdeutschland lag der errechnete Bedarf an Betreuungsplätzen im Jahr 2025 mit 890.000 ähnlich hoch wie im Jahr 2019 mit 891.000. Dies erklärt sich nicht nur mit weit weniger stark rückläufigen Kinderzahlen als im Osten, sondern auch mit noch steigenden Betreuungswünschen der Eltern. Insbesondere in Baden-Württemberg und Bayern dürfte hier auch bei weitem noch nicht das Ende erreicht sein, wobei unter anderem auch die von staatlicher Seite gesteuerte Entwicklung der Elternbeiträge und weiterer Aspekte des institutionellen Rahmens einen Einfluss haben können. Derzeit fehlen in diesen beiden Ländern zusammen rechnerisch 87.000 Betreuungsplätze und in Nordrhein-Westfalen 85.000. Relativ zur Zahl der Kinder liegen die Lücken in Bremen, Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen mit Werten zwischen 18 Prozent und 19 Prozent am höchsten. Insgesamt ergibt sich für Westdeutschland eine Lücke von 15,6 Prozent. Besonders hoch ist die Betreuungsquote in Hamburg mit 49,3 Prozent, wohingegen sie beim Schlusslicht Bremen mit 31,3 Prozent um mehr als ein Drittel niedriger liegt. Dort besucht auch im Alter von drei Jahren noch mehr als ein Fünftel der Kinder keine Kita, was bei einer vergleichsweise heterogenen Bevölkerung mit Blick auf die Entwicklungs- und Teilhabechancen der Kinder sehr problematisch sein kann. Grundsätzlich sollte in den nächsten Jahren nicht nur darauf hingearbeitet werden, flächendeckend Betreuungsangebote zu machen, die die Bedarfe der Eltern möglichst vollständig decken. Wichtig ist es auch, Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf - insbesondere im Bereich des Erwerbs der deutschen Sprache - frühzeitig in die Kitas zu holen, auch wenn sich die Eltern an sich noch nicht unbedingt eine institutionelle Betreuung für sie wünschen.

Suggested Citation

  • Geis-Thöne, Wido, 2025. "300.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen: Eine Betrachtung der Entwicklung von Bestand und Bedarf an Betreuungsplätzen," IW-Reports 63/2025, Institut der deutschen Wirtschaft (IW) / German Economic Institute.
  • Handle: RePEc:zbw:iwkrep:333887
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    • I20 - Health, Education, and Welfare - - Education - - - General
    • J11 - Labor and Demographic Economics - - Demographic Economics - - - Demographic Trends, Macroeconomic Effects, and Forecasts
    • J13 - Labor and Demographic Economics - - Demographic Economics - - - Fertility; Family Planning; Child Care; Children; Youth

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