Betriebliche Gewerkschaftsvertreter ohne Gewerkschaftsbindung? Das Paradox der zunehmend gewerkschaftlich organisierten Comités d’entreprise in Frankreich (Workplace Union Representatives without Union Links? The Paradox of the Increasingly Unionised Comités d’entreprise in France)
Der Anteil der gewerkschaftlich organisierten InteressenvertreterInnen innerhalb des Comité d’entreprise nahm in Frankreich zu Beginn der Jahre 2000 zu. Eine Staerkung des gewerkschaftlichen Einflusses in franzoesischen Betrieben kann daraus jedoch nur bedingt abgeleitet werden. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung vor, die vor allem in Klein- und Mittelbetrieben durchgefuehrt wurde. Vertretungspraxis und Gewerkschaftsbindung neu organisierter Comités d’entreprise werden beschrieben und mit den Praktiken langjaehrig organisierter bzw. unorganisierter Vertreterkollektive verglichen. Anschliessend wird nach den Verschiebungen im Beziehungsgeflecht der Akteure gefragt, die parallel zur Tendenz zur Instrumentalisierung des Gewerkschaftsbezugs und Lokalisierung des Vertretungsanspruchs zu beobachten sind. Es zeigt sich, dass viele neu organisierten Comités d’entreprise aeusserst fragile Beziehungen zu ihren Gewerkschaften unterhalten; die Bindung traditionell organisierter Vertreterkollektive zu ihren Dachverbaenden nimmt ab. Lokale Identitaet erweist sich oft als praegnanter als gewerkschaftliche Identitaet. Vor diesem Hintergrund verwischen sich die Unterschiede zwischen gewerkschaftlich organisierten und gewerkschaftsfreien Gremien.
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