Organisatorischer Wandel von Gewerkschaften in postkommunistischen Laendern. Der Fall der Solidarnosc (Organisational Change of Trade Unions in Postcommunist Countries. The Case of Solidarnosc)
Seit der EU-Osterweiterung veraendern sich die Handlungsbedingungen der Gewerkschaften in Mittelosteuropa. Die Praegekraft des kommunistischen Erbes und der Dilemmata der Transformation lassen nach. Am Beispiel der Gewerkschaft Solidarnosc wird der organisatorische Wandel der Gewerkschaften untersucht. Es wird gezeigt, dass das Scheitern des parteipolitischen Engagements eine Hinwendung zur Mitgliederwerbung nach dem Muster des angelsaechsischen Organizing bewirkt hat. Die Herausbildung einer neuen Generation von Gewerkschaftern führt zu Konflikten ueber die Identitaet der Gewerkschaft. Die jungen Gewerkschafter teilen nicht die kollektive Identitaet der Aelteren (Geschichte der Solidarnosc, Facharbeiterstolz), sondern begruenden ihr Engagement als Widerstand gegen Verletzung der als „normal“ wahrgenommenen Arbeitnehmerrechte. Das Fehlen einer kollektiven Identitaet erschwert die Stabilisierung der neu entstehenden Gewerkschaftsorganisationen. Die aufgrund von EU-Direktiven eingefuehrten Betriebsraete haben die industriellen Beziehungen bislang kaum beeinflusst. Die Datengrundlage der Analyse bilden qualitative Leitfadeninterviews mit Gewerkschaftern aus der Solidarnosc-Zentrale und aus vier Industriebetrieben in Polen.
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