IDEAS home Printed from https://ideas.repec.org/
MyIDEAS: Log in (now much improved!) to save this paper

Schadet Deutschlands Exportpolitik den Nachbarn?

Listed author(s):
  • Felbermayr, Gabriel
  • Janeba, Eckhard
  • Görg, Holger
  • Belke, Ansgar
  • Pflüger, Michael
  • Ebner, Stefan

In den letzten Monaten stand das deutsche »Exportmodell« in der Kritik. Die deutschen Überschüsse seien mitverantwortlich für die Defizite der Nachbarländer und schaden den Handelspartnern, lautet der Vorwurf. Ist diese Einschätzung gerechtfertigt? Für Gabriel Felbermayr, Universität Hohenheim, entbehren die Behauptungen einer soliden Grundlage. Dies bedeute nicht, dass die Ungleichgewichte nicht Anlass zu Sorge bieten, doch das fundamentale Problem liege in den Finanzmarktinstitutionen, und nicht auf den Güter- oder Arbeitsmärkten, und es handele sich dabei auch nicht um ein Problem »made in Germany«. Eine »wirkliche« Exportpolitik Deutschlands im Sinn der klassischen Instrumente der Exportförderung gebe es nicht, der Vorwurf laute eher, dass Deutschland durch seine Arbeitsmarktpolitik indirekt Exportpolitik betreibe und durch die Lohnzurückhaltung seine Wettbewerbsfähigkeit auf unfaire Weise und zum Schaden der Nachbarn verbessert hätte. Aber langfristig führen Arbeitsmarktreformen in einem Land zu geringer Arbeitslosigkeit bei den Handelspartnern. Allerdings wirken, laut Felbermayr, Fehlanreize aus dem »De-facto-Haftungsverbund Währungsunion« in Deutschland wie eine Exportförderungspolitik, nutzen aber den Nachbarn und schaden den Deutschen. Nach Ansicht von Eckhard Janeba, Universität Mannheim, ist Deutschland zwar auf makroökonomischer Ebene kein Vorwurf zu machen, da die maßvolle Haushaltspolitik den langfristigen konstitutionellen Vorgaben entspricht. Gleichwohl habe der deutsche Staat und nicht nur dieser auf mikroökonomischer Ebene Politikentscheidungen getroffen, die sich in Handelsverzerrungen niederschlagen. Dies zu ändern, wäre eine Aufgabe für die deutsche Politik. Holger Görg, Universität Kiel, betrachtet die Frage von der Eben der Firmen aus. Eine relativ kleine Anzahl von Firmen zeichnet verantwortlich für einen Großteil der deutschen Exporte. Dies sind hochproduktive Unternehmen, die im ausländischen Wettbewerb bestehen können. Für Importeure gilt jedoch genau das Gleiche: es sind relativ wenige, und sie sind hochproduktiv. Durch Importe kommt neue Technologie ins Importland, die von diesen einheimischen Firmen angewendet werden kann. Wenn nun beispielsweise Frankreichs Exporte nicht so sind, wie von Regierungsseite gewünscht, liegt das zu einem gewissen Teil mit an den beteiligten Unternehmen. Diese könnten durchaus von Importen profitieren, indem sie Zugang zu Technologie bekommen. Ansgar Belke, Universität Duisburg-Essen, verdeutlicht, dass die Exporterfolge Deutschlands auf Wettbewerbsvorteilen, die man sich durch Innovationen, technischen Fortschritt und einer moderaten Lohnpolitik über Jahre hinweg erarbeitet hat, beruhen. Deutschland sei an den Weltmärkten in erster Linie bei Investitionsgütern führend. Diese Produkte würden von Spanien, Portugal oder Griechenland nicht in vergleichbarer Qualität hergestellt, von daher gehen für diese Länder auch keine Marktanteile verloren. Außerdem habe Deutschland durch sein Exportmodell auch die Rolle einer europäischen Konjunkturlokomotive ausgefüllt, da seine hohen Exporte als Vorleistungen auch regelmäßig hohe Importe nach sich ziehen. Deutschlands Exporte nützen also den Nachbarn gegenwärtig mehr, als sie ihnen schaden. Dennoch sollte Deutschland durch Erhöhung seiner Kaufkraft Verantwortung für die Rückführung der Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone übernehmen am besten durch eine stärkere Flexibilisierung seines Dienstleistungssektors und eine Senkung der Lohnnebenkosten. Auch Michael Pflüger und Stefan Ebner, Universität Passau, sehen vor allem hausgemachte Ursachen für die Spannungen innerhalb des Euroraums. Richtig sei jedoch, dass die wohlbegründete Lohnzurückhaltung, die in den letzten Jahren in Deutschland geübt wurde, den europäischen Nachbarn kontraktive Impulse und Anpassungslasten beschert habe. Angesichts der gegenwärtigen Lage der Weltkonjunktur fordere die amerikanische Administration von Deutschland zu Recht stärkere Impulse für die Weltkonjunktur.

To our knowledge, this item is not available for download. To find whether it is available, there are three options:
1. Check below under "Related research" whether another version of this item is available online.
2. Check on the provider's web page whether it is in fact available.
3. Perform a search for a similarly titled item that would be available.

Paper provided by University of Munich, Department of Economics in its series Munich Reprints in Economics with number 20581.

as
in new window

Length:
Date of creation: 2010
Handle: RePEc:lmu:muenar:20581
Contact details of provider: Postal:
Ludwigstr. 28, 80539 Munich, Germany

Phone: +49-(0)89-2180-3405
Fax: +49-(0)89-2180-3510
Web page: http://www.vwl.uni-muenchen.de

More information through EDIRC

References listed on IDEAS
Please report citation or reference errors to , or , if you are the registered author of the cited work, log in to your RePEc Author Service profile, click on "citations" and make appropriate adjustments.:

as
in new window


  1. Gabriel J. Felbermayr & Mario Larch & Wolfgang Lechthaler, 2013. "Unemployment in an Interdependent World," American Economic Journal: Economic Policy, American Economic Association, vol. 5(1), pages 262-301, February.
  2. Hartmut Egger & Peter Egger & James R. Markusen, 2012. "International Welfare And Employment Linkages Arising From Minimum Wages," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 53(3), pages 771-790, 08.
  3. Zheng Song & Kjetil Storesletten & Fabrizio Zilibotti, 2011. "Growing Like China," American Economic Review, American Economic Association, vol. 101(1), pages 196-233, February.
  4. Elhanan Helpman & Oleg Itskhoki, 2010. "Labour Market Rigidities, Trade and Unemployment," Review of Economic Studies, Oxford University Press, vol. 77(3), pages 1100-1137.
  5. Hans-Werner Sinn, 2006. "The Pathological Export Boom and the Bazaar Effect: How to Solve the German Puzzle," The World Economy, Wiley Blackwell, vol. 29(9), pages 1157-1175, September.
Full references (including those not matched with items on IDEAS)

This item is not listed on Wikipedia, on a reading list or among the top items on IDEAS.

When requesting a correction, please mention this item's handle: RePEc:lmu:muenar:20581. See general information about how to correct material in RePEc.

For technical questions regarding this item, or to correct its authors, title, abstract, bibliographic or download information, contact: (Tamilla Benkelberg)

If you have authored this item and are not yet registered with RePEc, we encourage you to do it here. This allows to link your profile to this item. It also allows you to accept potential citations to this item that we are uncertain about.

If references are entirely missing, you can add them using this form.

If the full references list an item that is present in RePEc, but the system did not link to it, you can help with this form.

If you know of missing items citing this one, you can help us creating those links by adding the relevant references in the same way as above, for each refering item. If you are a registered author of this item, you may also want to check the "citations" tab in your profile, as there may be some citations waiting for confirmation.

Please note that corrections may take a couple of weeks to filter through the various RePEc services.

This information is provided to you by IDEAS at the Research Division of the Federal Reserve Bank of St. Louis using RePEc data.