Abhaengige Selbstaendigkeit in der Versicherungswirtschaft – Neue Konflikte im Spannungsfeld traditioneller Vertretungsstrukturen (Dependent Self-employment in the Insurance Industry. New Conflicts within Traditional Industrial Relations Structures)
Die Transformation hierarchischer betrieblicher Steuerung in relationalen Vertrags- und Tauschbeziehungen hat in vielen europaeischen Laendern zu einer Zunahme abhaengiger Selbstaendigkeit gefuehrt. Aufgrund des Graubereichs zwischen selbstaendiger und unselbstaendiger Beschaeftigung stellen abhaengig Selbstaendige eine Herausforderung fuer die traditionellen Handlungs- und Organisationslogiken der Verbaende der Arbeitsbeziehungen dar. Der Aufsatz nimmt die Organisationsfaehigkeit und -probleme der Gewerkschaften und Wirtschaftsverbaende in den Blick, exemplifiziert diese anhand einer qualitativen Untersuchung der oesterreichischen Privatversicherungswirtschaft und kommt zu dem Schluss, dass die Konflikte zwischen Arbeit und Kapital laengst nicht mehr ausschließlich zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbaenden verlaufen, sondern zunehmend verbandsintern ausgetragen werden. Dies fuehrt entweder zu einer Zunahme an Interessensdivergenzen, die unter Umstaenden mit Abspaltung und Partikularismus einzelner Gruppen beantwortet werden, oder – wie in dem untersuchten Fall durch die Gewerkschaften – zur Ignoranz des Problems. In beiden Faellen wird das Problem der Interessensaggregation kurzfristig geloest; Solidaritaet und vor allem verhandlungsschwaechere Gruppen duerften dabei aber langfristig auf der Strecke bleiben.
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