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Die Genossenschaften sind zurück! Wurden sie lange Zeit belächelt und galten als wirtschaftliches Auslaufmodell, erfreut sich die Rechtsform seit einigen Jahren wieder zunehmender Beliebtheit. Abseits der traditionellen Genossenschaftsbranchen, wie Bankwesen, Landwirtschaft und Wohnen, erlebt die Genossenschaft derzeit so etwas wie eine kleine Renaissance. Bei aller Euphorie über diese Nachricht sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Genossenschaften in ihrer langen Geschichte immer als "Kinder der Not" galten. Sie gründeten sich vor allem dann, wenn Menschen dringend auf Alternativen angewiesen waren, beispielsweise bei der Versorgung mit Wohnraum, Konsumgütern oder Energie. So erscheint es weit weniger erstaunlich, dass sich gegenwärtig viele neue Genossenschaften in den Bereichen Erneuerbare Energien, Gesundheit, Infrastruktur und Soziales gründen. Angesichts knapper öffentlicher Kassen sind es vor allem diese Genossenschaften des "Dritten Sektors", die besondere Potentiale bei der Übernahme und Absicherung bestimmter kommunaler Aufgaben zu bieten scheinen. Auf der Grundlage einer Organisationsbefragung im Dritten Sektor des WZB Berlin werden diese Genossenschaften genauer untersucht. Anhand der Befragungsergebnisse zu Engagement- und Mitgliederstrukturen, Beschäftigung, Finanzierung und Wettbewerb werden die Genossenschaften mit anderen Rechtsformen, wie Vereinen, gGmbHs und Stiftungen verglichen, sowie Unterschiede zwischen neugegründeten und älteren Genossenschaften in den Blick genommen. Die Ergebnisse legen nahe, dass neben der Betonung der vielfältig vorhandenen Potentiale, die die Genossenschaften bei der Erbringung von Versorgungsaufgaben zweifellos bieten, die Grenzen genossenschaftlichen Wirtschaftens nicht aus dem Blick verloren werden sollten. Andernfalls, so meine These, droht die Rechtsform Genossenschaft nicht nur überfrachtet, sondern auch als Rechtfertigung für den Abbau sozialstaatlicher Leistungen instrumentalisiert zu werden.
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