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Deutsche Wirtschaft im Herbst 2026: Konjunkturtief überwunden - Defizite bleiben

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  • Boysen-Hogrefe, Jens
  • Groll, Dominik
  • Hoffmann, Timo
  • Jannsen, Nils
  • Kooths, Stefan
  • Krohn, Johanna
  • Mentzer, Finn

Abstract

Die deutsche Wirtschaft hat wieder Tritt gefasst. Die wirtschaftliche Dynamik hat sich zuletzt erkennbar beschleunigt und die Unternehmen blicken trotz geopolitischem Gegenwind wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Damit mehren sich die Zeichen, dass die Konjunktur ihre Talsohle durchschritten hat. Trotz der zuletzt günstigen Entwicklung steht die Erholung aber noch auf wackeligen Beinen: So drohen nach wie vor Rückschläge durch die Folgen des Irankriegs und zusätzliche expansive Impulse seitens der Finanzpolitik, die dieses Jahr die Wirtschaftsleistung anschieben, werden in den kommenden Jahren schwinden. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre war zudem zu einem Gutteil strukturellen Ursachen geschuldet, die die wirtschaftliche Aktivität auch weiterhin dämpfen werden. Vor diesem Hintergrund wird die Wirtschaftsleistung trotz der Erholung einen deutlich niedrigeren Expansionspfad folgen als in der Vergangenheit. Alles in allem rechnen wir gegenüber der Sommerprognose nun mit einer deutlich höheren Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent (Sommer: 0,8 Prozent). Für das kommende gehen wir unverändert von einem Anstieg von 1,0 Prozent aus. Im Jahr 2028, wenn die konjunkturellen Spielräume zunehmend ausgeschöpft sind, wird die Wirtschaftsleistung wohl um 0,5 Prozent zulegen. Da die Rohstoffpreisanstiege erst nach und nach an die Verbraucher weitergereicht werden, wird die Inflationsrate sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr mit 2,7 Prozent hoch bleiben. Die damit verbundenen Kaufkraftverluste der privaten Haushalte werden den privaten Konsum dämpfen. Erst im Jahr 2028 dürfte die Inflation mit den dann wieder sinkenden Energiepreise deutlich auf 1,9 Prozent zurückgehen und sich der private Konsum wieder etwas beleben. Die Exporte sind nach deutlichen Rückgängen der Vorjahre in der ersten Jahreshälfte kräftig gestiegen. Angesichts der massiven Marktanteilsverluste der vergangenen Jahre ist dies jedoch kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Insgesamt mehren sich jedoch die Zeichen, dass die Exporte ihre Talsohle durchschritten haben, auch wenn die rückläufige Wettbewerbsfähigkeit zu weiteren Weltmarktanteilseinbußen führen wird. Angesichts der Standortprobleme wird die private Investitionstätigkeit verhalten bleiben. Die Erholung wird am Arbeitsmarkt zusehends vom demografischen Wandel überlagert. So wird die Arbeitslosenquote zwar von 6,3 Prozent im laufenden Jahr auf 6,0 Prozent in 2028 sinken. Die Erwerbstätigkeit wird jedoch aufgrund des sinkenden Arbeitskräftepotenzials durchgängig zurückgehen. Das öffentliche Budgetdefizit wird ausgehend von 3,0 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 auf 4,3 Prozent im Jahr 2028 steigen.

Suggested Citation

  • Boysen-Hogrefe, Jens & Groll, Dominik & Hoffmann, Timo & Jannsen, Nils & Kooths, Stefan & Krohn, Johanna & Mentzer, Finn, 2026. "Deutsche Wirtschaft im Herbst 2026: Konjunkturtief überwunden - Defizite bleiben," Kieler Konjunkturberichte 137, Kiel Institute for the World Economy.
  • Handle: RePEc:zbw:ifwkkb:344006
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