Author
Listed:
- Hintemann, Ralph
- Hinterholzer, Simon
- Graß, Monika
Abstract
Rechenzentren sind eine zentrale Basisinfrastruktur der digitalen Transformation. Sie ermöglichen neue digitale Anwendungen und neue Geschäftsmodelle und gewinnen damit rasant an strategischer Bedeutung für Wirtschaft, Verwaltung und Forschung. Die vorliegende Studie analysiert aktuell die die Struktur, Entwicklung und Perspektiven des Rechenzentrumsmarktes im Freistaat Bayern. Der globale Rechenzentrumsmarkt befindet sich in einer Phase sehr dynamischen Wachstums, getrieben vor allem durch Cloud-Dienste und den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Auch in Deutschland steigen die Rechenzentrumskapazitäten deutlich. Internationale Hyperscale-Cloud-Anbieter prägen diese Entwicklung, konzentrieren ihre großvolumigen Investitionen bislang jedoch bisher vor allem auf die Standorte FrankfurtRheinMain und Berlin-Brandenburg. Bayern spielt eine bedeutende Rolle im deutschen Rechenzentrumsmarkt. Wesentliche Standortvorteile ergeben sich aus der starken technologieorientierten Wirtschaft, einer breiten industriellen Basis sowie einer leistungsfähigen Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Diese Kombination erzeugt eine hohe und stabile Nachfrage nach Rechenzentrumsleistungen und macht Bayern zu einem attraktiven Standort für unterschiedliche Rechenzentrumstypen und Geschäftsmodelle. Im Jahr 2025 gibt es in Bayern rund 370 Rechenzentren mit einer IT-Anschlussleistung von über 100 kW sowie etwa 9.000 kleinere IT-Installationen. Die gesamte IT-Anschlussleistung aller Rechenzentren und IT-Installationen beläuft sich auf rund 420 MW. Seit 2020 sind die Rechenzentrumskapazitäten in Bayern um etwa 30 % gestiegen. Der Stromverbrauch der Rechenzentren liegt 2025 bei rund 3,1 TWh und nimmt trotz erheblicher Effizienzfortschritte weiter zu. Der bayerische Rechenzentrumsmarkt ist derzeit noch stark von Rechenzentren geprägt, die von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in eigenen Gebäuden betrieben werden. Gleichzeitig gewinnt der Markt für gemietete Rechenzentrumsflächen (Colocation-Rechenzentren) deutlich an Bedeutung und macht inzwischen rund 35 % der Kapazitäten aus. Das Wachstum der vergangenen Jahre ist nahezu vollständig auf neue Colocation-Rechenzentren zurückzuführen. Räumlich konzentriert sich die Entwicklung insbesondere auf die Regionen München und Nürnberg, die zu den attraktivsten Rechenzentrumsstandorten in Deutschland zählen. Zunehmend gewinnt auch der Norden Bayerns an Bedeutung, insbesondere die Standorte im Einflussbereich der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Eine besondere Stärke des Rechenzentrumsstandortes Bayerns liegt in den Bereichen von KI und High-Performance-Computing (HPC). Der Freistaat ist in Deutschland ein führender KI-Standort, insbesondere durch seine Forschungsinstitute, Universitäten und forschungsintensiven Unternehmen. Bereits heute entfallen über 20 % der bayerischen Rechenzentrumskapazitäten auf KI- und HPC-Anwendungen - ein bundesweiter Spitzenwert. Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Für die Zukunft wird ein anhaltend starkes Wachstum des Rechenzentrumsmarktes in Bayern erwartet. Bis 2030 könnten die Kapazitäten auf rund 550 MW anwachsen. Die Stromversorgung entwickelt sich dabei zunehmend zu einem strategischen Engpassfaktor, der neue Konzepte und eine stärkere Einbindung in regionale Energie- und Wärmesysteme erforderlich macht. Zielbild für die Rechenzentren der Zukunft in Bayern setzt bewusst nicht ausschließlich auf ein Wettrennen als Standort für Rechenzentren globaler Cloud-Konzerne. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine robuste, dezentrale und an den regionalen Bedarf angepasste Rechenzentrumslandschaft. Die Rechenzentren dienen in erster Linie der bayerischen Wirtschaft - von Start-ups über den industriellen Mittelstand bis hin zu Forschungseinrichtungen und der öffentlichen Hand. Regionale Cluster, digitale Souveränität, hohe Energieeffizienz, die Nutzung erneuerbarer Energien sowie die systematische Nutzung von Abwärme bilden dabei die zentralen Leitprinzipien einer zukunftsfähigen Rechenzentrumsstrategie für Bayern.
Suggested Citation
Hintemann, Ralph & Hinterholzer, Simon & Graß, Monika, 2026.
"Rechenzentren in Bayern 2025 - aktuelle Marktentwicklungen,"
EconStor Research Reports
341790, ZBW - Leibniz Information Centre for Economics.
Handle:
RePEc:zbw:esrepo:341790
DOI: 10.5281/zenodo.18457572
Download full text from publisher
Corrections
All material on this site has been provided by the respective publishers and authors. You can help correct errors and omissions. When requesting a correction, please mention this item's handle: RePEc:zbw:esrepo:341790. See general information about how to correct material in RePEc.
If you have authored this item and are not yet registered with RePEc, we encourage you to do it here. This allows to link your profile to this item. It also allows you to accept potential citations to this item that we are uncertain about.
We have no bibliographic references for this item. You can help adding them by using this form .
If you know of missing items citing this one, you can help us creating those links by adding the relevant references in the same way as above, for each refering item. If you are a registered author of this item, you may also want to check the "citations" tab in your RePEc Author Service profile, as there may be some citations waiting for confirmation.
For technical questions regarding this item, or to correct its authors, title, abstract, bibliographic or download information, contact: ZBW - Leibniz Information Centre for Economics (email available below). General contact details of provider: https://edirc.repec.org/data/zbwkide.html .
Please note that corrections may take a couple of weeks to filter through
the various RePEc services.