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Liechtensteinische Wachstumsschwäche bei Produktion und Einkommen verschärft sich. Aktualisierte empirische Beobachtungen

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  • Brunhart, Andreas

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Liechtenstein wies im Jahre 2012 ein Bruttoinlandsprodukt pro erwerbstätige Person in der Höhe von ungefähr 144’000 CHF aus, während jenes der Schweiz im selben Jahr etwa 131’000 CHF betrug. Zudem verfügte Liechtenstein im Jahre 2012 unter allen EU- und EFTA-Staaten über das klar höchste kaufkraftbereinigte Bruttonationaleinkommen pro Kopf, trotz den im Vergleich zu allen anderen Staaten teils sehr starken Einbrüchen seit 2008 (vgl. Amt für Statistik [2014b, S. 16]). Der wirtschaftliche Wohlstand Liechtensteins ist also nach wie vor ausserordentlich hoch. Allerdings hat Liechtenstein ein volkswirtschaftliches Wachstumsproblem, das sich immer deutlicher manifestiert. Es zeigt sich, dass sich das seit den 1970er-Jahren überdurchschnittlich rasante Wachstum der liechtensteinischen Wirtschaftsleistung stark abgebremst hat, auch gegenüber der Schweiz, Österreich und Deutschland. Die reale Produktionsleistung in Liechtenstein ist noch immer nicht auf dem Niveau von vor der Finanzkrise. Neben den exogenen Schocks der letzten Jahre war der Hauptgrund für diese Entwicklung das sich stark abschwächende Produktivitätswachstum, welches sich bereits seit der Jahrtausendwende nachweisen lässt und sich in jüngster Vergangenheit sogar zu einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität ausgeweitet hat. Das (geringe) durchschnittliche Wirtschaftswachstum in diesem Jahrtausend wurde vor allem durch den Ausbau der Beschäftigung gestützt. Das reale Wachstum der Wertschöpfung im Wirtschaftsbereich „allgemeine Dienstleistungen“ verlief nur gering rückläufig seit 1998. In den anderen wichtigen Wirtschaftsbereichen „Industrie und warenproduzierendes Gewerbe“ und „Finanzdienstleistungen“ gingen die Wachstumstrends in jenem Zeitraum allerdings deutlich und kontinuierlich zurück, in den jüngsten Jahren war dort sogar ein strukturelles Negativwachstum zu verzeichnen. In letztgenanntem Wirtschaftsbereich brach die Produktivität regelrecht ein.Auch in Bezug auf das inländische aggregierte Einkommen lässt sich eine Wachstumsverlangsamung feststellen, beziehungsweise eine Schrumpfung in jüngster Vergangenheit. Vergleicht man Liechtenstein mit der Schweiz bezüglich Volkseinkommen pro Kopf, sieht man, dass Liechtenstein die Schweiz gegen Ende der 1960er-Jahre überholt hat und nach stärkerem Wachstum bis Ende der 1980er-Jahre auf fast das doppelte Niveau der Schweiz angestiegen ist. Seit der Jahrtausendwende hat sich das liechtensteinische Volkseinkommen pro Kopf im Trend wieder auf das schweizerische Niveau zubewegt und liegt nach hier vorgenommenen Schätzungen, welche Sondereffekte in der liechtensteinischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Jahre 2011 und 2012 bereinigen, nur noch geringfügig über dem 1,5-fachen Niveau der Schweiz. Üblicherweise hängt die Einkommensentwicklung einer Volkswirtschaft eng mit der Produktionsentwicklung zusammen, in Liechtenstein ist aber eine fortschreitende Entkopplung von Produktion im Inland und Einkommen der inländischen Bevölkerung zu beobachten.Unter den verschiedenen in dieser Publikation angesprochenen Ursachen der liechtensteinischen Wachstumsschwäche kommen vor allem in Frage: Das Erklärungsmuster der Wachstumstheorie für schwaches Wachstum hoch entwickelter Volkswirtschaften (z. B. der „Catch-Up-Effekt“), der sich ändernde Employment-Mix in Liechtenstein, tiefe Investitionen oder Anpassungseffekte als Folge eines sich schnell ändernden Arbeits-Kapital-Verhältnisses. Für eine tiefere Analyse der Ursachen und die Erarbeitung möglicher wirtschaftspolitischer Handlungsempfehlungen wären weitere (aufwendige) Analysen und Studienprojekte notwendig.

Suggested Citation

  • Brunhart, Andreas, 2015. "Liechtensteinische Wachstumsschwäche bei Produktion und Einkommen verschärft sich. Aktualisierte empirische Beobachtungen," EconStor Preprints 130153, ZBW - Leibniz Information Centre for Economics.
  • Handle: RePEc:zbw:esprep:130153
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    1. Schlag, Carsten-Henning, 2011. "Konjunktur- und Wachstumsanalyse für das Fürstentum Liechtenstein: Verhaltene Dynamik der Liechtensteiner Wirtschaft," KOFL Konjunkturberichte 2011, Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein (KOFL), Vaduz.
    2. Silvia Simon, 2006. "Ist Liechtensteins Entwicklung zukunftsfähig?," Beitraege 35, Liechtenstein-Institut.
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