Author
Listed:
- Matthias Neuenkirch
- Mohamad El-Ghazi
- Alina Hoffmann
- Scarlett Jansen
- Thomas Seidel
- Manuel Walz
Abstract
Geldwäsche ist ein transnationales Phänomen. Inkriminierte Vermögenswerte werden über Grenzen hinweg verschoben – gerade im Bereich organisierter Kriminalität gelangen die in einem Staat erzielten Erträge aus kriminellen Aktivitäten regelmäßig ins Ausland, um sie dem Zugriff der nationalen Strafverfolgungsbehörden zu entziehen. Die vorliegende Studie widmet sich erstmals systematisch der transnationalen Dimension von Geldwäscheströmen aus und nach Deutschland. Als Datengrundlage dienen Statistiken zu Verdachtsmeldungen der Financial Intelligence Unit Deutschland aus den Jahren 2020–2024. Eingeflossen sind dabei nur solche Verdachtsmeldungen, die aufgrund ihrer Validität an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden. Die Analyse der Daten zeigt, dass das Volumen von verdächtigen Transaktionen nach Deutschland deutlich höher ist als das Volumen von verdächtigen Transaktionen, die aus Deutschland ins Ausland fließen. Die Daten stützen somit die Annahme, dass Deutschland als stabiler und reputationsstarker Finanzstandort ein "sicherer Hafen" und damit ein attraktives Zielland für Kapitalanlagen – einschließlich potenziell illegitimer Finanzströme – ist. Bei der Anzahl transnationaler Transaktionen dominiert Europa als Herkunfts- und als Zielregion, jeweils mit großem Abstand gefolgt von Asien. Bei den Volumina zeigt sich ein anderes Bild: Hier liegt Asien bei den Herkunftsländern vorne, während bei den Zielländern der Abstand geringer ist. Generell stehen die Länder der ehemaligen Sowjetunion im Fokus, wobei die baltischen Staaten besonders hervorstechen. Außerdem sind in den zentralasiatischen Staaten massive Zuwächse seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zu erkennen. Die Analyse unterstreicht zudem die zentrale Bedeutung ökonomischer Größe, geographischer Nähe – einschließlich institutioneller Aspekte –, von Diaspora-Netzwerken sowie von Offshore-Finanzplätzen für die Erklärung transnationaler Geldwäscheströme. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche gezielter und risikoorientierter auszurichten – indem der Fokus auf jene Länder und Regionen gelegt wird, in denen auf Basis der hier untersuchten Zahlungsströme die größten Risiken bestehen, und den Verpflichteten zugleich relevante Merkmale für ein wirksameres Monitoring an die Hand gegeben werden.
Suggested Citation
Matthias Neuenkirch & Mohamad El-Ghazi & Alina Hoffmann & Scarlett Jansen & Thomas Seidel & Manuel Walz, 2026.
"Push- und Pull-Faktoren transnationaler Geldwäscheströme in Deutschland,"
Research Papers in Economics
2026-02, University of Trier, Department of Economics.
Handle:
RePEc:trr:wpaper:202602
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