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Aktuelle Gefahren und Bedrohungen: Drohnen, Künstliche Intelligenz (KI) und Chemical, Biological, Radiological, Nuclear (CBRN)s

In: Spezialeinheiten und Spezialkräfte der Polizei

Author

Listed:
  • Raphael Röttinger

    (Lehrauftrag operative Terrorismusabwehr, Donau-Universität Krems)

  • Marius Werner

    (Universitätsklinikum Heidelberg)

Abstract

Zusammenfassung Die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland warf für die Sicherheitsbehörden neue Herausforderungen auf. Neben den üblichen Bedrohungen durch Hooliganismus und Terrorismus rückte diesmal insbesondere die Gefahr von Drohnenangriffen in den Fokus der Präventionsmaßnahmen. Während hochentwickelte Drohnensysteme in Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI) theoretisch für gezielte Anschläge mit Spreng- oder Giftstoffen missbraucht werden könnten, sollen geeignete Gegenmaßnahmen die Risiken minimieren. In dieser Studie werden anhand einer systematischen Literaturrecherche sowie Berichten über aktuelle Vorfälle die potenziellen Bedrohungsszenarien im Kontext von Großveranstaltungen untersucht. Als Fallbeispiel dient die EM 2024. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Fähigkeiten moderner Drohnensysteme und den rechtlichen Grauzonen beim Einsatz von Störsendertechnologie zur Drohnenabwehr. Die Berliner Polizei veranschaulicht die konkreten Vorkehrungen, die in Deutschland getroffen wurden: Zur Sicherung der Veranstaltungsorte der EM 2024 in Berlin wurden zwei speziell ausgerüstete VW T6 im Wert von 394.000 EUR als mobile Drohnenabwehrstationen eingesetzt. Ihre kanonenähnlichen Jammer unterbrechen die Verbindung zwischen Drohne und Pilot durch gezielte Störsignale. Zudem wurde eine eigene Drohnen-Abwehr-Einheit aufgestellt, die Informationen über illegale Drohnenmanöver sammelt. Eine zusätzliche Bedrohung, die durch den Einsatz von KI entsteht, sind Deepfakes –fotorealistische Bild- und Videoanimationen von Personen. Mit modernen KI-Systemen können Gesichter, Stimmen und ganze Szenen auf täuschend echte Weise gefälscht werden. Für die Sicherheitsbehörden stellte es eine große Herausforderung dar, im Vorfeld der EURO 2024 Maßnahmen gegen die Verbreitung solcher Deepfakes zu ergreifen. Desinformationskampagnen mit gefälschten Videos haben zum Ziel, Unruhen und Panik unter den Fans auszulösen. Daneben besteht die Gefahr von KI-generierten Phishing-Mails oder WhatsApp-Nachrichten im Namen von Offiziellen, mit denen Fans zu gefährlichen Handlungen verleitet oder Erpressungsversuche gestartet werden. Angemessene Präventionsmaßnahmen sind unerlässlich, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und Drohnen sowie KI-Systeme wirkungsvoll von ihrer missbräuchlichen Anwendung abzuhalten. In dieser Forschungsarbeit werden daher insbesondere Empfehlungen dazu entwickelt, was bei der Vorbereitung der Drohnenabwehr für Großveranstaltungen in Deutschland berücksichtigt werden sollte. Ein Faktor ist hierbei, wie anfällig die Jammertechnologie ihrerseits für eine Manipulation durch KI-Intervention ist. Weitere potenzielle Herausforderungen für Sicherheitsbehörden stellen, insbesondere im Rahmen von Großveranstaltungen, Bedrohungen aus den Bereichen „Chemical, Biological, Radionuclear (CBRN)“ dar. Neben einer Gefährdung mittels Kampfstoffen durch staatliche Akteure sind ebenfalls niedrigschwellige Einsätze von „Toxic Industrial Materials (TIMs)“ sowie „Toxic Industrial Chemicals (TICs)“ durch Akteure aus den Bereichen der organisierten Kriminalität sowie des Terrorismus denkbar bzw. haben sich bereits ereignet. Die jeweiligen Zielsetzungen variieren hierbei, eine Awareness hinsichtlich dieser seltenen Ereignisse besteht in weiten Teilen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) jedoch bisher nicht. Nicht zuletzt deshalb wird die Bearbeitung solcher Lagen durch eine fehlende Konzeption und Expertise sowie unzureichende Materialausstattung erschwert.

Suggested Citation

  • Raphael Röttinger & Marius Werner, 2026. "Aktuelle Gefahren und Bedrohungen: Drohnen, Künstliche Intelligenz (KI) und Chemical, Biological, Radiological, Nuclear (CBRN)s," Springer Books, in: Mario S. Staller & Swen Koerner & Stefan Schade (ed.), Spezialeinheiten und Spezialkräfte der Polizei, pages 199-220, Springer.
  • Handle: RePEc:spr:sprchp:978-3-658-49902-0_10
    DOI: 10.1007/978-3-658-49902-0_10
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