In diesem Beitrag wird die räumliche Konzentration der Wirtschaftszweige in Deutschland im Jahr 1998 untersucht. Unsere Untersuchung schließt im Unterschied zu allen bisherigen Analysen neben den Wirtschaftszweigen des Produzierenden Gewerbes sowohl Branchen des landwirtschaftlichen Bereichs als auch Dienstleistungssektoren ein, wobei die von Ellision und Glaeser (1997) entwickelten Konzentrationsmaße zur Anwendung kommen. Die Ergebnisse zeigen, dass nahezu sämtliche Wirtschaftszweige in Deutschland eine signifikant höhere geografische Konzentration aufweisen als man es bei einer rein zufälligen Standortwahl erwarten würde. Insgesamt ist das Ausmaß der regionalen Konzentration aber eher gering. Unabhängig von den verschiedenen regionalen und sektoralen Aggregationsebenen bleibt das Konzentrationsmuster stabil: Die an natürliche Standortvorteile gebundenen Wirtschaftszweige sind am stärksten agglomeriert, während handels- und versorgungsorientierte Dienstleistungen eine hohe räumliche Dispersion besitzen. Nicht die technologie- und F&E-intensiven, sondern die eher traditionellen Industriezweige weisen den höchsten Grad an geografischer Konzentration im Verarbeitenden Gewerbe auf. Zur Erklärung unterschiedlicher Ausmaße an Konzentration wird auf einen qualtitativen Dummy-Variablenansatz zurückgegriffen. Die Klassifizierung der Wirtschaftszweige aus dem Industrie- und Dienstleistungsbereich orientiert sich dabei an ihrem Einsatz von Technologie- und Wissen sowie von Humankapital in der Produktion bzw. bei der Erbringung der Dienstleistung. Auch hier zeigt sich, dass die an natürliche oder infrastrukturelle Standortgegebenheiten gebundenen Wirtschaftszweige die höchsten räumlichen Konzentrationen aufweisen. Die eher von einem hohen Arbeitseinsatz mit geringen Qualifikationserfordernissen geprägten Industriezweige weisen signifikant höhere Konzentrationsraten auf als sachkapital- und technologieintensive Industriezweige. Wirtschaftspolitisch ist in jüngster Zeit die Förderung von regionalen Wirtschaftsclustern in das Zentrum der deutschen Regionalpolitik gerückt. Sowohl Bund, Länder und Kommunen versuchen durch zahlreiche förderpolitische Maßnahmen die regionale Konzentration insbesondere von technologieorientierten Wirtschaftszweigen zu unterstützen. Vor dem Hintergrund der vorliegenden Befunde verliert die Förderung von „Clustern“, wonach räumlich eng begrenzte Wissensflüsse zwischen Unternehmen eines Wirtschaftszweiges sich zu einem sich selbst verstärkenden Prozess führen, der weiteres Einkommens- und Beschäftigungswachstum verspricht, viel von seiner Überzeugungskraft.
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Paper provided by GEFRA - Gesellschaft fuer Finanz- und Regionalanalysen in its series Working Papers with number
2-2006.
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