Advanced Search
MyIDEAS: Login to save this article or follow this journal

Grundlinien der Wirtschaftsentwicklung 2009/2010

Contents:

Author Info

  • Karl Brenke
  • Christian Dreger
  • Stefan Kooths
  • Vladimir Kuzin
  • Sebastian Weber
  • Florian Zinsmeister

Abstract

Deutschland ist in der Rezession. Zentrale Ursache dafür ist die schwache Entwicklung der Weltwirtschaft. Die konjunkturelle Abkühlung wurde durch die Krise auf den Finanzmärkten erheblich verstärkt. Trotz massiver staatlicher Gegenmaßnahmen ist die Finanzkrise noch nicht ausgestanden. Sehr unsicher ist, wie groß die Gefahren sind, die in Form fauler Kredite oder überbewerteter Anlagen noch im Finanzsystem versteckt sind. Konjunkturprognosen stehen daher gegenwärtig auf einem viel schwächeren Fundament als sonst üblich. Hier wird ein Szenario vorgestellt, bei dem davon ausgegangen wird, dass es keine weiteren Erschütterungen auf den Finanzmärkten gibt. Für 2009 erwartet das DIW Berlin einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts in Deutschland um etwas mehr als ein Prozent. Einen solch großen Einbruch hat es - auf ein Kalenderjahr bezogen - bisher in der Bundesrepublik noch nicht gegeben. 2010 ist infolge der allmählichen Erholung der Weltwirtschaft ein Anstieg in gleicher Größenordnung möglich. Trotz des deutlichen Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität wird die Arbeitslosigkeit 2009 nur moderat zunehmen; sie dürfte im Durchschnitt des Jahres um gut 200 000 höher liegen als 2008. Im Zuge der weiteren konjunkturellen Entwicklung werden sich die Wachstumsbeiträge von den Exporten und den Unternehmensinvestitionen zunehmend auf den privaten Verbrauch verlagern, der durch die rückläufigen Teuerungsraten gestützt wird. Während die Preissteigerung 2008 im Durchschnitt bei 2,6 Prozent lag, wird sie in den Jahren 2009 und 2010 auf Raten von gut einem Prozent sinken. Angesichts der gegenwärtig eingeschränkten Wirksamkeit der Geldpolitik zur Wachstumsstimulierung muss die Fiskalpolitik eine größere Rolle spielen. Die Politik sollte allerdings weiterhin Augenmaß bewahren und sich durch die von allen Seiten vorgebrachten Forderungen zur Konjunkturstützung nicht zu Aktionismus verleiten lassen. Das DIW Berlin empfiehlt in der jetzigen Situation vor allem, auf die automatischen Stabilisatoren zu setzen und diese zu kräftigen. So sollte der Bund die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld zunächst befristet für ein Jahr übernehmen, um den Druck auf den Arbeitsmarkt zu vermindern. Besonders vorteilhaft wäre eine Verknüpfung von Kurzarbeit mit Programmen zur beruflichen Qualifizierung. Sinnvoll ist ebenfalls der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Dies sollte im Rahmen eines mittelfristig angelegten, verbindlichen Investitionsplans geschehen, wobei sichergestellt sein muss, dass die Mittel weitestgehend in zusätzliche Investitionen münden. Als Instrument zur Konjunkturstimulierung sollte dies aber wegen der Vorlaufzeiten bei Bauaufträgen und wegen möglicher kurzfristiger Kapazitätsengpässe der Bauwirtschaft nicht überbewertet werden. Auf Maßnahmen wie Konsumgutscheine oder befristete Steuernachlässe sollte dagegen verzichtet werden, da die Wirkungen auf die inländische Wertschöpfung als gering einzuschätzen sind, und die Gefahr besteht, dass es in erheblichem Maße zu Mitnahme- oder zu Strohfeuereffekten kommt.

Download Info

If you experience problems downloading a file, check if you have the proper application to view it first. In case of further problems read the IDEAS help page. Note that these files are not on the IDEAS site. Please be patient as the files may be large.
File URL: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.93009.de/09-1-1.pdf
Download Restriction: no

Bibliographic Info

Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal Wochenbericht.

Volume (Year): 76 (2009)
Issue (Month): 1/2 ()
Pages: 2-35

as in new window
Handle: RePEc:diw:diwwob:76-1-1

Contact details of provider:
Postal: Mohrenstraße 58, D-10117 Berlin
Phone: xx49-30-89789-0
Fax: xx49-30-89789-200
Email:
Web page: http://www.diw.de/en
More information through EDIRC

Related research

Keywords: Business cycle forecast; Consumption; Foreign trade;

Find related papers by JEL classification:

References

No references listed on IDEAS
You can help add them by filling out this form.

Citations

Citations are extracted by the CitEc Project, subscribe to its RSS feed for this item.
as in new window

Cited by:
  1. Askitas, Nikos & Zimmermann, Klaus F., 2009. "Googlemetrie und Arbeitsmarkt in der Wirtschaftskrise," IZA Standpunkte, Institute for the Study of Labor (IZA) 17, Institute for the Study of Labor (IZA).
  2. Askitas, Nikos & Zimmermann, Klaus F., 2009. "Prognosen aus dem Internet: Weitere Erholung am Arbeitsmarkt erwartet," IZA Standpunkte, Institute for the Study of Labor (IZA) 13, Institute for the Study of Labor (IZA).

Lists

This item is not listed on Wikipedia, on a reading list or among the top items on IDEAS.

Statistics

Access and download statistics

Corrections

When requesting a correction, please mention this item's handle: RePEc:diw:diwwob:76-1-1. See general information about how to correct material in RePEc.

For technical questions regarding this item, or to correct its authors, title, abstract, bibliographic or download information, contact: (Bibliothek).

If you have authored this item and are not yet registered with RePEc, we encourage you to do it here. This allows to link your profile to this item. It also allows you to accept potential citations to this item that we are uncertain about.

If references are entirely missing, you can add them using this form.

If the full references list an item that is present in RePEc, but the system did not link to it, you can help with this form.

If you know of missing items citing this one, you can help us creating those links by adding the relevant references in the same way as above, for each refering item. If you are a registered author of this item, you may also want to check the "citations" tab in your profile, as there may be some citations waiting for confirmation.

Please note that corrections may take a couple of weeks to filter through the various RePEc services.