Die gewerbliche Zeitarbeit ist eine der am stärksten expandierenden Beschäftigungsformen in Deutschland. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer, trotz allgemeiner wirtschaftlicher Stagnation, auf 340 000 im Jahre 2001 verdreifacht. Damit ist auch die beschäftigungspolitische Bedeutung der Zeitarbeit gewachsen. [...] Dennoch ist die gewerbliche Zeitarbeit nach wie vor umstritten. Die Kritik gilt hierbei vor allem der vermeintlich geringeren Qualität der Beschäftigungsverhältnisse, die durch Zeitarbeit entstehen. Insbesondere wird auf die niedrige Entlohnung von Zeitarbeitern im Vergleich zu Nichtzeitarbeitern hingewiesen. Dieses Lohndifferential ist jedoch bis heute unzureichend quantifiziert, da in den bisher vorliegenden Untersuchungen lediglich einfache Durchschnittsvergleiche herangezogen werden. Wichtige beobachtbare Unterschiede und damit verbundene Produktivitätsunterschiede werden nicht berücksichtigt. Auch sind mögliche langfristige Effekte der Zeitarbeit auf die Einkommensverläufe ehemaliger Zeitarbeitnehmer gänzlich unerforscht. Im Folgenden werden erste ökonometrische Schätzungen des mit einer Tätigkeit in der Zeitarbeit verbundenen gegenwärtigen und langfristigen Lohndifferentials vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitnehmer in Zeitarbeit einen Lohnabschlag hinnehmen müssen, der allerdings bis zu 50 % geringer ist als bislang angenommen. Ehemalige Zeitarbeitnehmer haben in der späteren Beschäftigung außerhalb der Branche im Durchschnitt keine Lohneinbußen gegenüber Arbeitnehmern, die niemals in der Zeitarbeit tätig waren. Verglichen mit ihrer relativen Einkommenssituation vor dem Eintritt in die Zeitarbeit können sich Zeitarbeiter in ihren Einkommensverläufen bei Wiedereintritt in reguläre Beschäftigungsverhältnisse sogar verbessern.
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Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal Wochenbericht.
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