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Zur Entwicklung der Altersarmut in Deutschland

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  • Jan Goebel
  • Markus M. Grabka

Abstract

Die Bundesregierung plant einen "Regierungsdialog Rente", um dem Thema Altersarmut mehr Aufmerksamkeit zu sichern. Vor diesem Hintergrund legt das DIW Berlin neueste Analysen zur Einkommensverteilung in Deutschland auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) vor. Sie zeigen, dass das generelle Armutsrisiko für ältere Menschen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren in etwa gleich geblieben ist - obwohl das Armutsrisiko für die Gesamtbevölkerung anstieg. Zu berücksichtigen sind jedoch weitere wichtige Entwicklungen: Seit dem Jahr 2000 sinken die von der deutschen Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ausgezahlten individuellen Beträge für männliche Neurentner. Wer heute in Rente geht, erhält im Schnitt sieben Prozent weniger als jemand, der noch vor zehn Jahren in den Ruhestand wechselte. Gleichzeitig beziehen immer mehr Menschen im Alter staatliche Hilfen. Seit 2003 die sogenannte Grundsicherung im Alter eingeführt wurde, ist die Zahl der Bezieher deutlich gestiegen. Aber ist das Anwachsen der Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter ein Trend oder wurde in den letzten Jahren lediglich die Armutsdunkelziffer der älteren Menschen abgebaut? Fakt ist: In den letzten beiden Berichtsjahren sind erste Anzeichen für eine Zunahme der Altersarmut zu beobachten. Ob sich daraus ein Trend entwickelt, bleibt abzuwarten, sollte aber beobachtet werden. Deswegen kommt der "Regierungsdialog Rente" zur rechten Zeit. Derzeit gilt: Alleinlebende Personen im Rentenalter sind häufiger von Einkommensarmut bedroht als die Gesamtbevölkerung. Darunter finden sich überdurchschnittlich häufig Frauen. Trotz der sinkenden Zahlbeträge von männlichen Neurentnern stellt eine Rente der GRV weiterhin die wichtigste Form der Alterssicherung dar. Der Anteil der privaten Rentenzahlungen am Einkommensportofolio der älteren Menschen ist nach wie vor gering und je nach Einkommenshöhe sehr unterschiedlich. So stieg der Anteil der privaten Rentenzahlungen im obersten Einkommensquintil von sieben auf über zehn Prozent, während er im untersten Quintil bei unter drei Prozent stagniert. Abgefedert werden die Auswirkungen sinkender GRV-Zahlbeträge durch einen bislang wenig beachteten Trend: Immer mehr alte Menschen leben in Paarhaushalten und können damit eventuelle individuelle Einkommensdefizite besser ausgleichen. Auch ein zweiter wichtiger Aspekt fand bislang nur wenig Berücksichtigung bei der Berechung der Altersarmut: Die SOEP-Daten erlauben zur Beschreibung der Wohlfahrtsposition älterer Menschen nicht nur allein die laufenden Einkommen heranzuziehen, sondern auch die ebenso wichtige Vermögenssituation. Bezieht man diese in die Analyse mit ein, so zeigt sich, dass ein Fünftel der Einkommensarmen im Rentenalter auf nennenswertes Vermögen zurückgreifen kann. Damit ergibt sich insgesamt eine Armutsgefährungsquote von zehn Prozent für 65-Jährige und Ältere im Jahre 2007.

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Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal DIW Wochenbericht.

Volume (Year): 78 (2011)
Issue (Month): 25 ()
Pages: 3-16

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Handle: RePEc:diw:diwwob:78-25-1

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Postal: Mohrenstraße 58, D-10117 Berlin
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Keywords: Poverty risk; old age; SOEP;

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Cited by:
  1. Falko Trischler & Ernst Kistler, 2011. "Erwerbsverläufe und Alterseinkünfte im Paar- und Haushaltskontext," SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 429, DIW Berlin, The German Socio-Economic Panel (SOEP).
  2. Stefan Arent, 2012. "Zuschussrente: die Diskussion um die Altersarmutsgefährdung," ifo Dresden berichtet, Ifo Institute for Economic Research at the University of Munich, Ifo Institute for Economic Research at the University of Munich, vol. 19(05), pages 24-28, October.
  3. Christian Westermeier & Anika Rasner & Markus M. Grabka, 2012. "The Prospects of the Baby Boomers: Methodological Challenges in Projecting the Lives of an Aging Cohort," SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 440, DIW Berlin, The German Socio-Economic Panel (SOEP).

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