In der sozial- und arbeitsmarktpolitischen Reformdebatte in Deutschland nimmt die Forderung nach einer Erhöhung der Ungleichheit der Einkommensverteilung zur Durchsetzung des Prinzips der Leistungsgerechtigkeit eine ebenso zentrale wie kontroverse Rolle ein. Die Vorschläge zielen etwa auf die Einführung eines Niedriglohnsektors, eine Senkung des Grundsicherungsniveaus sowie auf eine Verminderung der Steuerbelastung für Bezieher hoher Einkommen. Damit verbunden ist die Erwartung einer Besserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Im Rahmen seiner Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) hat das DIW Berlin zum Jahresanfang 2005 allen Erwerbstätigen Fragen zur Bewertung der eigenen Erwerbseinkommen gestellt. Erste Ergebnisse liegen jetzt vor. Danach betrachten Personen mit höherem Einkommen ihr Nettoeinkommen ganz überwiegend als angemessen. Das Empfinden von Ungerechtigkeit bei der Entlohnung ist hingegen eher bei den unteren Einkommensgruppen anzutreffen. Auch die Frage des jeweiligen Arbeitszeitarrangements spielt eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Entlohnungsgerechtigkeit. Dort, wo der Betrieb vorschreibt, wann seine Beschäftigten zu arbeiten haben - und dies auch noch zu wechselnden Tageszeiten -, wird das Einkommen eher als ungerecht beurteilt; wenn die Beschäftigten selbst festlegen, wann sie arbeiten, ist dies weniger der Fall. Zeitautonomie scheint ein Substitut für höheres Einkommen zu sein.
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Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal Wochenbericht.