In der vergangenen Dekade hat die Debatte um die Bedeutung der Biologie – und hier insbesondere genetischer Einflussfaktoren – für sozialwissenschaftliche Fragestellungen wachsende Aufmerksamkeit erfahren (z.B. Freese et al. 2003; Udry 1995; Vogler & McClearn 2008). Im Zentrum dieser Debatte steht nicht allein der Zusammenhang zwischen Biomarkern und Mortalität bzw. Morbidität im höheren Lebensalter (z.B. Vaupel 1998; Weinstein et al. 2003), sondern es wird auch diskutiert, inwieweit sich etwa genetische Anlagen auf menschliches Verhalten auswirken (z.B. Booth et al. 2006; Guo et al. 2008; Kohler et al. 1999). Mit diesen neuen inhaltlichen Fragestellungen steht die sozialwissenschaftliche Umfragforschung vor der Herausforderung, ihr traditionelles Fragenprogramm durch die Einbeziehung biometrischer Daten1 zu ergänzen (vgl. National Research Council, 2008, für einen aktuellen Überblick). Der wissenschaftliche Nutzen der Aufnahme solcher Informationen in sozialwissenschaftliche Umfragen ist vielfältig und kann im Rahmen dieses Beitrags nur exemplarisch belegt werden. Der wohl wesentlichste Vorteil, und zwar unabhängig von spezifischen Fragestellungen, besteht in der Möglichkeit zur Verknüpfung von biologischen Merkmalen mit sozio-demographischen und sozio-ökonomischen Charakteristika der Befragten aus repräsentativen (d.h. nicht-klinischen) Bevölkerungsstichproben zum Zwecke interdisziplinärer Forschung (z.B. Finch & Vaupel 2001; Lillard & Wagner 2006)...
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