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Frühjahrsgrundlinien 2012

Contents:

Author Info

  • Ferdinand Fichtner
  • Simon Junker
  • Kerstin Bernoth
  • Karl Brenke
  • Christian Dreger
  • Stefan Gebauer
  • Christoph Große Steffen
  • Hendrik Hagedorn
  • Katharina Pijnenburg
  • Timo Reinelt
  • Carsten Schwäbe
  • Kristina van Deuverden

Abstract

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem kräftigen Aufschwung. Zwar kann der Zuwachs im Jahresdurchschnitt 2012 mit 1,0 Prozent nicht an die hohen Raten der vergangenen beiden Jahre anknüpfen. Dies liegt jedoch daran, dass sich Investoren und Konsumenten aufgrund der Krise im Euroraum mit ihren Ausgaben im Winterhalbjahr zurückgehalten haben. Die Stimmungsaufhellung in den vergangenen Monaten zeigt, dass dies nur eine vorübergehende Flaute war. Für den weiteren Verlauf ist mit deutlichen Zuwächsen beim Bruttoinlandsprodukt zu rechnen, was sich im kommenden Jahr in einem kräftigen Wachstum von deutlich über zwei Prozent niederschlägt. Auf die Exporte kann die deutsche Volkswirtschaft in diesem Jahr nicht setzen. Die Schuldenkrise und die damit verbundenen Sparprogramme in vielen Mitgliedsländern haben den Euroraum erneut in eine Rezession rutschen lassen. Die massiven Interventionen der Europäischen Zentralbank haben zwar zu einer Stabilisierung der Lage beigetragen. Dennoch dürfte die Exportnachfrage in diesem Jahr noch unter den Folgen der Krise leiden. Auch aus dem übrigen Ausland dürfte die Nachfrage im laufenden Jahr etwas schwächer ausfallen. In einigen großen Industrieländern sind die Folgen der Finanzkrise noch lange nicht überwunden, die Wirtschaftspolitik hat aber vielfach keinen Spielraum für fortgesetzte Unterstützungsmaßnahmen. Auch in vielen Schwellenländern wirkt eine restriktivere Wirtschaftspolitik dämpfend auf die Konjunktur. Hinzu kommen die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise, die weltweit das Wachstum schwächen. Erst in der zweiten Jahreshälfte dürfte im Zuge expansiverer Politik und zurückgehender Energiepreise zunächst in den Schwellenländern das Wachstum wieder zulegen; für das nächste Jahr ist auch in den Industrieländern und im Euroraum mit etwas kräftigerem Wachstum zu rechnen. Hauptstütze des Wachstums in Deutschland ist 2012 vor allem die anhaltend gute Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dank hoher Beschäftigung und stark anziehender Löhne wird der private Verbrauch kräftig zulegen, zumal die Lohnsteigerungen auch in den unteren Einkommensklassen ankommen dürften und daher nur zu einem geringen Teil gespart werden. Die Investitionstätigkeit wird von der aufgehellten Stimmung in den Unternehmen profitieren können, auch weil die Finanzierungsbedingungen für Investitionskapital trotz der verschärften Eigenkapitalanforderungen an das Bankensystem in Deutschland ausgesprochen günstig sind. Ab dem kommenden Jahr dürften dann auch die Exporte wieder zulegen und so bei weiterhin merklich expandierender Binnennachfrage zu dem starken Wachstum der deutschen Wirtschaft beitragen. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr nur leicht auf 7,0 Prozent zurückgehen. Nächstes Jahr ist dank des kräftigen Wachstums wieder mit einem deutlichen Rückgang auf dann 6,7 Prozent zu rechnen. In Folge des eingeschlagenen Konsolidierungskurses, vor allem aber im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs, verbesserte sich die Lage der öffentlichen Haushalte im vergangenen Jahr erheblich. Nun kommt die Rückführung der Defizite allerdings ins Stocken. Zum einen ist davon auszugehen, dass wegen der guten Haushaltslage der Ausgabenkurs insgesamt gelockert wird. Zudem führt die kräftige Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst zu erheblichen Mehrausgaben. Zum anderen belastet die konjunkturelle Schwäche im ersten Halbjahr die öffentlichen Finanzen. Das Defizit wird in diesem Jahr auf 0,7 Prozent zurückgehen; das strukturelle Defizit sinkt dabei nochmals um einen halben Prozentpunkt. Im kommenden Jahr geht das Defizit dann auf 0,3 Prozent in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt zurück. Dieser Rückgang ist allerdings rein konjunktureller Natur; die strukturelle Defizitquote stagniert.

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Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal DIW Wochenbericht.

Volume (Year): 79 (2012)
Issue (Month): 14/15 ()
Pages: 3-34

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