Die Wirtschaft der DDR war eine Ökonomie des Mangels. Im Jahr 1989 stand sie nicht weit vom Abgrund entfernt - paradoxerweise deshalb, weil die DDR über ihre Verhältnisse gelebt hatte. Im Zentrum der Politik stand über viele Jahre die konsumtive Verwendung der Wirtschaftsleistung; der Konsum wuchs schneller als die Wirtschaftsleistung, so dass die Investitionen immer stärker zurückblieben und von der Substanz gezehrt wurde. Wie sich anhand verschiedener Quellen zeigen lässt, hatte entgegen weit verbreiteter Ansicht die DDR zur Zeit des Mauerfalls noch nicht eine so Auslandsverschuldung, dass sie als bankrott zu bezeichnen war. Allerdings glaubten das auch die in der Wendezeit rasch wechselnden Staats- und Parteiführungen - ein weiteres Paradoxon. Durch enorme Abwanderungen in den Westen drohte eine völlige Destabilisierung der DDR-Wirtschaft, und in der DDR wurde vermehrt nach der Einführung der D-Mark verlangt, weil sich davon die Bürger mehr Kaufkraft und Wohlstand erhofften. Um die Abwanderungen zu begrenzen, war die Einführung einer Währungsunion politisch unvermeidlich. Ökonomisch war sie allerdings eine Katastrophe, denn über Nacht sahen sich die DDR-Betriebe aufgrund des drastisch veränderten Wechselkurses Wettbewerbsbedingungen gegenüber, denen sie gewachsen war. Die Produktion brach massiv ein, und die Unterbeschäftigung stieg trotz massiver Hilfen seitens der Bundesrepublik rasant an. Wiederum rangierte der private Verbrauch vor der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ein Prozess wie in den anderen Ostblockstaaten, in dem schrittweise die Wettbewerbsfähigkeit erhöht wurde, war nicht möglich. Auf dem Gebiet der DDR musste nach dem Anpassungsschock in kurzer Zeit eine weitgehend neue wirtschaftliche Basis geschaffen werden.
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