Der Beitrag unterscheidet zwischen der Corporate-Governance-Forschung auf der Länderebene und der Unternehmensebene. Die Forschung auf Länderebene betrachtet üblicherweise die CG-Charakteristika von Ländern oder Rechtsfamilien. Dagegen untersucht die Forschung auf Unternehmensebene die CG-Charakteristika von Unternehmen innerhalb eines Rechtsrahmens. Auf der Länderebene wird die Gesamtheit der CG-Komponenten als System verstanden. Die Systemperspektive besagt, dass es möglich, ja sogar wahrscheinlich ist, dass zwischen den Systemelementen Wechselwirkungen bestehen. Ganz anders auf der Unternehmensebene: Der Standardforschungsansatz berücksichtigt nur eine CG-Komponente, höchstens zwei. Ein solch kleiner Ausschnitt kann schon einfachste Formen der Zusammenhänge innerhalb der CG-Struktur eines Unternehmens nicht berücksichtigen. Offensichtlich unterscheiden sich die beiden Leitbilder nicht nur, vielmehr sind sie inkompatibel miteinander. Da die CG-Forschung auf der Länderebene größtenteils dieselben CG-Komponenten analysiert wie die CG-Forschung auf der Unternehmensebene, werden auf Länder- und Unternehmensebene identische Sachverhalte mit widersprüchlichen Leitbildern untersucht. Dieser Zustand wird im Schrifttum bislang fast überhaupt nicht problematisiert. Träfe die Sichtweise der CG-Forschung auf der Unternehmensebene zu, wäre die Systemperspektive auf der Länderebene nicht haltbar. Umgekehrt: Machte man sich die Systemperspektive zu Eigen, ist der Großteil der empirischen Forschung auf der Unternehmensebene inadäquat. Die knapp skizzierte empirische Evidenz für die Unternehmensebene ergibt keine eindeutige Antwort auf die Schlüsselfrage, ob die CG-Strukturen von Unternehmen als ein System zu verstehen sind. Aber der Verfasser tendiert zu der Auffassung, dass die Zahl der Hinweise auf signifikante Zusammenhänge zwischen CG-Komponenten zu groß ist, um sie zu ignorieren. Er plädiert deshalb für eine Neuausrichtung der CG-Forschung auf der Unternehmensebene auf den Systemgedanken. Die Neuausrichtung verspricht einen höheren Ertrag als die ungebremste Fortsetzung der Arbeit mit dem Standardforschungsansatz. Das muss für den Fall, dass sich die Systemperspektive als richtig herausstellt, nicht näher erläutert werden. Aber selbst wenn sie sich als Irrweg erwiese, könnte damit eine mögliche Ursache der uneinheitlichen Resultate auf der Unternehmensebene verworfen werden, und erhielte die CG-Forschung auf der Länderebene wesentliche neue Impulse, denn sie steht gleichfalls auf dem Prüfstand.
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Paper provided by Hanseatic University, Germany, Department of Economics in its series Working Papers with number
007.
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