Peter Weise () (Department of Economics, University of Kassel)
Abstract
Definiert man Selbstorganisation eng als physikalische Selbstorganisation und überträgt dieses Konzept eins zu eins auf die Evolutorische Ökonomik, so bleiben sowohl Anwendungsbereich als auch Erkenntnisgewinn bescheiden. Die Betonung der Analyse liegt dann auf der Betrachtung von Situationen, bei denen kleine Veränderungen auf der Mikroebene unerwartete und unvorhersehbare große Veränderungen auf der Makroebene hervorbringen. In diesem Fall organisiert das System sich selbst. Übernimmt man hingegen lediglich die Grundidee der physikalischen Selbstorganisation, dass nämlich schnelle Interaktionen auf der Mikroebene einen vergleichsweise langsam veränderlichen Ordner auf der Makroebene hervorbringen, der zirkulär-kausal die Interaktionen auf der Mikroebene koordiniert, hat man einen breiten Anwendungsbereich und großen Erkenntnisgewinn. Neben Situationen, in denen Elemente passiv auf Ordner reagieren, kann man nun auch Situationen betrachten, in denen Akteure Ordner gestalten und auf sie Einfluss nehmen. In diesem Fall organisiert sich nicht nur das System selbst, auch die Akteure organisieren selbst. Dieser erweiterte Begriff der Selbstorganisation weist der Evolutorischen Ökonomik den Weg zwischen der Beliebigkeit interaktiver Einebenenmodelle und der Eingeschränktheit rationaler Erwartungs- und allgemeiner Gleichgewichte. Das, was zumeist in nicht-evolutorischen Modellen und Gleichgewichtsanalysen ausgeschlossen wird, nämlich externe Effekte und steigende Skalenerträge sowie das Auftreten von Neuerungen, wird für die Selbstorganisation besonders bedeutsam in Form von nichtlinearen Wechselwirkungen, Selbstverstärkungseffekten und Fluktuationen.
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Publisher Info
Paper provided by University of Kassel, Institute of Economics in its series Discussion Papers in Economics with number
48/03.