"Im Mittelpunkt steht die These, daß die aktuelle hochschulpolitische Diskussion primär von statusdistributiven Anforderungen an das Bildungssystem geprägt ist, während Fragen der Qualifizierung an Gewicht verlieren. Ausschlaggebend ist nicht die Sorge um Fehlqualifikationen, sondern um Diskrepanzen zwischen den Statuserwartungen der Lernenden und der in der Berufsstruktur verfestigten sozialen Ungleichheit. Zunächst wird gezeigt, daß die politischen Bestrebungen, die Hochschulbildung nach unmittelbaren qualifikatorischen Anforderungen auszurichten, im Widerspruch zu der Entwicklung der Forschung stehen, die sich mit dem Verhältnis von Bildung und Beruf befaßt. Diese hat zunehmend auf Schwierigkeiten, Qualifikationsanforderungen zu bestimmen, und auf flexible Verwendungsmöglichkeiten akademischer Qualifikationen hingewiesen. ... Die zunehmende Virulenz der Statusproblematik wird mit wachsenden Gegensätzen zwischen Qualifikations- und Statuspolitik begründet. Die in den 60er Jahren in der Bundesrepublik mit der Absicht, Qualifikationen zu mobilisieren, geförderte Politik der "Chancengleichheit" wird heute in Frage gestellt, um vermeintlich überschüssige Qualifizierung zu vermeiden. ... Durch die Tendenz des Bildungssystems, Auslese auf höheres Alter zu verschieben, und die Tendenz des Beschäftigungssystems, soziale Ungleichheit großenteils vorberuflich zu legimitieren, konzentriert sich die Selektion auf das Hochschulwesen. Die Entstehung von Fachhochschulen, die Problematik des "Numerus clausus" und die Diskussion über Gesamthochschulen werden als Anzeichen für diese Entwicklung gewertet."
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