"Obwohl die Zahl der Betriebsstillegungen in der Bundesrepublik in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat, sind ihre Auswirkungen auf lokale Arbeitsmärkte bislang kaum untersucht worden. Am Beispiel der Großwerft AG Weser in Bremen, durch deren Schließung Ende 1983 ca. 2.000 Arbeiter und Angestellte auf einen bereits von überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit gekennzeichneten lokalen Arbeitsmarkt schlagartig entlassen wurden, lassen sich solche Auswirkungen beschreiben. Auf der Grundlage einer Auswertung von Daten des Arbeitsamtes sowie einer schriftlichen Befragung der ehemaligen AG-Weser-Beschäftigten ergibt sich: Trotz der bei einer lokalen Arbeitslosenquote von 14,3 % außerordentlich ungünstigen Ausgangsposition und der geringen Chancen auf einen Arbeitsplatz in anderen Bremer Werften sind rund zwei Drittel der Freigesetzten nach einem Jahr wieder beschäftigt. Überraschend ist dabei, daß die Hälfte der Wiederbeschäftigten überhaupt nicht als arbeitslos gemeldet war und anscheinend bruchlos in ein neues Arbeitsverhältnis übergewechselt ist. Die bis zur Schließung gehaltene, qualifizierte Stammbelegschaft konnte sich in der Konkurrenz bei Neueinstellungen, die in mehr als 100 Betrieben der Region erfolgten, offenbar erfolgreich behaupten. Allerdings mußten mehr als ein Viertel von ihnen einen beruflichen Abstieg, rund die Hälfte auch Einkommenseinbußen in Kauf nehmen. Ein Drittel schließlich ist seit der Stillegung dauerhaft arbeitslos, neben Ausländern beinahe ausschließlich ältere Arbeitnehmer, gleich welcher Qualifikation. Wer über 45 Jahre alt war, scheint kaum noch Chancen für einen neuen Arbeitsplatz gehabt zu haben." (Autorenreferat)
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