"Der Beitrag geht davon aus, daß sich gegenwärtig eine weitreichende Neudefinition der gesellschaftlichen Rolle der Jugend vollzieht, die Wandlungen in Äußerungs- und Erscheinungsformen der Jugend mit sich führt. Dies hat erhebliche Konsequenzen für die innere Qualität, für Selbstdefinition und Problemlagen der Jugend in unserer Gesellschaft. Eine wichtige Rolle spielt dabei zunächst die widersprüchliche Ausweitung des Jugendstatus - widersprüchlich deshalb, weil eine zunehmende zeitliche Ausdehnung und verlängerte ökonomische Abhängigkeit Hand in Hand geht mit einer Verkürzung des Jugendstatus in rechtlicher Hinsicht (Herabsetzung der Volljährigkeitsgrenze); viel gravierender ist jedoch, daß der individuelle und gesellschaftliche Sinn des Jugendalters als einer zukunftsbezogenen Vorbereitungsphase durch den Sinn- und Bedeutungsverlust vor allem schulischer Institutionen fragwürdig geworden ist. Dabei spielen allgemeinere gesellschaftliche Wandlungsprozesse eine Rolle: gesellschaftliche Individualisierungsanforderungen, Wandlungen in grundlegenden Wertorientierungen, die Ausblendung der Jugend als Adressat politischer Programmatik. Diese Prozesse haben vor allem auch im Hinblick auf das Verhältnis der Jugend zu Arbeit und Beruf ihre Folgen: die zunehmende schulische Kanalisierung der Berufsorientierung, Wandlungen in der Bewußtseinslage der Jugend, Motivations- und Identitätsprobleme stellen eine neue Situation dar. Derartige Wandlungsprozesse haben Auswirkungen in gesellschaftlicher Hinsicht, vor allem auch für Wirtschaft und Arbeitsmarkt: die Bedeutungsverschiebungen im Verhältnis von Berufsarbeit und privatem Bereich, die heute zu beobachten sind, werden sich langfristig auf die Rekrutierung von Führungskräften und die Struktur des Arbeitsmarktes auswirken. Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Möglichkeit, gesellschaftliche Organisationsformen der Jugend zu entwickeln, die nicht in so starkem Maße widerprüchlich und konflikthaft sind. Dies setzt zunächst voraus, die Vorstellungen und Zukunftsentwürfe junger Leute gerade da, wo sie von derjenigen der Erwachsenen abweichen, in ihrem Anspruch ernstzunehmen." (Autorenreferat)
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