"Die bisherige empirische Flexibilitätsforschung hat sich vor allem damit befaßt, Fakten zu ermitteln, zu analysieren und interpretieren. Es soll nun versucht werden, die Flexibilität auch vor dem Hintergrund allgemeiner Normen zu beurteilen und Kriterien für arbeitsmarktpolitische Strategien zu entdecken, die sich mit diesen Grundwerten vertragen. Dabei muß die Ambivalenz der Flexibilität beachtet werden. Berufliche Flexibilität weist nämlich eine Fülle individuell und/oder gesellshaftlich erwünschter und unerwünschter Aspekte aus, so daß nicht jeder Befund über tatsächliche, mögliche und herstellbare Flexibilität undifferenziert in arbeitsmarktpolitische Standards und Aktivitäten umgesetzt werden kann. Es wird deshalb vorgeschlagen, daß eine künftige mehr kritische Flexibilitätsforschung die Antinomien Flexibilität/Rigidität (für das soziale System) und Flexibilität/Identität (für die einzelne Persönlichkeit) eingehender untersucht. Mit Hilfe einer solchen Konzeption lassen sich die vorliegenden Makroanalysen zur Flexibilität mit persönlichkeitsorientierten Erkenntnisinteressen verbinden. Grundhypothese ist dabei, daß die Erwerbstätigen durch die Dynamik des Strukturwandels zwar Chancen zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit erhalten, daß aber andererseits ihr Selbstverständnis (und ihr Interesse an dessen Kontinuität) der Anpassung auch Grenzen setzt. Arbeitshypothesen beziehen sich auf die Relationen zwischen Rigidität und Flexibilität in einem gegebenen Beschäftigungssystem, und zwar einmal hinsichtlich der Zahl der betreffenden Personen, zum anderen hinsichtlich des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, zum dritten hinsichtlich der beschiedenen konstitutiven Elemente des Systems und schließlich hinsichtlich der verschiedenen Gesichtspunkte, nach denen Menschen ihr Selbstverständnis und ihr Leben orientieren. Einige spezifische Forschungsaspekte, die sich aus diesem Ansatz ergeben, werden behandelt."
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