Die Währungs- und Finanzmarktkrise vom Sommer 1998, ausgelöst durch internationale Kapitalumschichtungen im Gefolge der Asienkrise, brachte die russischen Geschäftsbanken in erhebliche Schwierigkeiten. Praktisch der gesamte Bankensektor war von akuten Liquiditätsproblemen betroffen. Die Hauptursache der Bankenkrise ist in der mangelhaften oder gänzlich fehlenden Regulierung im Bankensektor zu sehen; dies begünstigte die Inkaufnahme hoher Wechselkursrisiken bei Verbindlichkeiten in ausländischer Währung sowie Kreditvergaben mit beschränkter Risikodiversifikation, was sich im Zuge der Krise als fatal erwies. Nach westlichem Empfinden unorthodox war auch die Lösung der Krise durch die russischen Behörden, die ohne wesentliche Umstrukturierungen im Bankensektor auskam und mit erstaunlich geringen volkswirtschaftlichen Kosten bewerkstelligt wurde. Der Erfolg in Form durchgängig guter Wachstumsraten nach 1998 liefert jedoch nur scheinbar die Rechtfertigung für diese Versäumnisse, denn die relativschwache Verfassung des Bankensektors in Russland - im Vergleich zu anderen Transformationsökonomien - stand sicherlich einer noch besseren wirtschaftlichen Entwicklung im Wege. Wenngleich einige jüngere Gesetzesinitiativen auf eine Verbesserung der Situation hoffen lassen, stehen doch weiterhin starke Partikularinteresseneiner gesamtwirtschaftlich optimalen und wünschenswerten Umstrukturierung der Bankenlandschaft entgegen.
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Article provided by DIW Berlin, German Institute for Economic Research in its journal Wochenbericht.